Helma Koch: Pillendrehen wie vor 500 Jahren
Von Pillen, Pulvern & PülverchenEine rezeptfreie Zeitreise durch 500 Jahre Pharmazie
Am Freitag, den 27. März 2026, hieß es für uns: „Eintreten und Staunen!“ Im Rahmen von KulTourAS machten wir uns bereit für eine Entdeckungsreise durch die faszinierende Welt der Hof- und Stadtapotheke Sulzbach. Als eine der ältesten Apotheken der Oberpfalz bietet sie Geschichte, die man förmlich riechen, sehen und beinahe schmecken kann.

Ein Blick hinter die Kulissen der Heilkunst
Wir tauchten tief ein in eine Welt, in der Kräuterweiber auf Wunderheiler trafen und Hofärzte eng mit Bürgermeistern zusammenarbeiteten. Dabei erfuhren wir hautnah, wie Medikamente früher gerührt, geschüttelt und manchmal – so schien es zumindest – fast ein bisschen verzaubert wurden.
Expertise pur: Unterwegs mit Helma Koch
Für diese besondere Führung konnten wir eine echte Koryphäe gewinnen: Helma Koch. In Sulzbach bekannt als Apothekerin, Autorin, Filmemacherin und versierte Museumsführerin, war sie die perfekte Besetzung für unsere Zeitreise. Da Frau Koch noch nach der alten Ausbildungsordnung Pharmazie studiert hat, beherrscht sie das Handwerk der „alten Schule“ aus dem Effeff.
Mit Begeisterung und Fachwissen erklärte sie uns die Geheimnisse der historischen Arzneimittelherstellung:
- Präzision in Handarbeit: Früher wurden Rezepturen in Apotheken manuell mit höchster Genauigkeit angefertigt und für jeden Klienten individuell ausgewogen.
- Luxus auf Rezept: Für die Obrigkeit wurde die Medizin versüßt. Pillen wurden mit Zucker oder für den ganz hohen Stand sogar mit Blattgold umhüllt, um den Geschmack zu verbessern. Das „gemeine Volk“ hatte diesen Luxus nicht. Wer nicht zur Oberschicht gehörte, musste die bittere Pille wortwörtlich pur schlucken.
- Schmelzpunkt Schokolade: Besonders kurios – Zäpfchen wurden früher mit "weißer Schokolade" umhüllt. Diese schmolzen ab einer Körpertemperatur von 31 °C nach dem Einführen.
- Gefährliche Medizin: Aus heutiger Sicht fast unvorstellbar berichtete Helma Koch, dass früher sogar Kindern Heroin (damals als vermeintlich harmloses Hustenmittel) verabreicht wurde.
„Das Museum 'Alte Hof-Apotheke' dokumentiert nicht nur die Geschichte der Sulzbacher Hof-Apotheke, sondern auch die der Stadt-Apotheke.“ – Helma Koch

Ein Schatzkästchen der Stadtgeschichte
Besonders beeindruckend ist die Sammlung an sich: Etwa 1.000 Exponate sind im Museum zusammengetragen. Das Besondere daran? Alle Stücke stammen direkt aus dem eigenen Hausbestand. Sie erzählen die lückenlose Geschichte der Pharmazie in Sulzbach und zeigen den faszinierenden Wandel von der Alchemie zur modernen Wissenschaft.
Wir bedanken uns herzlich bei Frau Koch für diesen kurzweiligen und hochinteressanten Nachmittag, der uns gezeigt hat, wie viel Herzblut und Handarbeit schon vor Jahrhunderten in unserer Gesundheit steckte.