Direkt zum Seiteninhalt

Sulzbacher ß - KulturAS – Kultur erleben. Heimat entdecken.

Menü überspringen
Menü überspringen
Herkunft des Eszett aus der Oberpfalz
Sulzbacher ß
Menü überspringen
Sulzbacher ß – die Herkunft des Eszett aus der OberpfalzSulzbacher ß – die Herkunft des Eszett aus der Oberpfalz
 
Das „ß“, auch Eszett oder scharfes S genannt, ist ein besonderer Buchstabe der deutschen Schriftsprache. Es kommt ausschließlich im deutschen Sprachraum vor und ist weltweit einzigartig. Während es in vielen Sprachen kein vergleichbares Zeichen gibt, gehört es im Deutschen bis heute zum festen Bestandteil der Rechtschreibung, auch wenn seine Verwendung im Laufe der Zeit mehrfach angepasst wurde.

Ursprung in Sulzbach
Die moderne Form des ß hat ihren historischen Ursprung im Jahr 1667 in Sulzbach in der Oberpfalz, dem heutigen Sulzbach-Rosenberg. Dort entwickelte der Buchdrucker Abraham Lichtenthaler in seiner Druckerei eine neue typografische Variante für den Antiquadruck. Diese Form setzte sich aus einem langen s und einem runden s zusammen und wurde als besonders klar und ästhetisch empfunden.
 
Diese sogenannte Sulzbacher Form des ß wurde erstmals in einem Druckwerk zu Texten des Philosophen Boethius verwendet. Damit wurde Sulzbach zu einem wichtigen Ort in der Geschichte der deutschen Schriftentwicklung.

Bedeutung für die Typografie
Die Sulzbacher Variante war nicht die einzige Form des Eszett. Insgesamt existierten im 17. und 18. Jahrhundert etwa dreißig verschiedene Varianten dieses Buchstabens. Drucker und Gelehrte diskutierten lange über eine einheitliche Form, bis sich bestimmte Standards langsam durchsetzten.
 
Bei einem späteren Treffen von Druckern in Leipzig wurde unter anderem auch die Sulzbacher Form als mögliche Standardvariante betrachtet. Auch wenn sie nicht allein verbindlich wurde, gilt sie als eine der wichtigsten historischen Vorstufen des heutigen ß.

Sprachgeschichtliche Einordnung
Das Eszett ist eine Ligatur, also eine Verschmelzung zweier Buchstaben zu einem Zeichen. Es entstand aus der Verbindung von langem s und rundem s. Im Laufe der Sprachentwicklung wurde es fest in die deutsche Orthografie übernommen und steht heute für den Laut ss in bestimmten Längen und Vokalverbindungen.
 
Interessant ist, dass die Schweiz das ß bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus ihrer Rechtschreibung entfernt hat. Dort wird es konsequent durch ss ersetzt.

Sulzbach-Rosenberg: Stadt der Sprache
Durch dieses typografische Erbe ist Sulzbach-Rosenberg heute fest in der „Straße der deutschen Sprache“ verankert. Die Stadt war im 17. und 18. Jahrhundert ein intellektuelles Zentrum, was nicht zuletzt an der religiösen Toleranz und dem damit verbundenen jüdischen Buchdruck lag. In der Druckerei Lichtenthaler entstanden Werke von Weltrang – und eben jener Buchstabe, den wir heute täglich tippen.

Ein Exot im modernen Alphabet
Walter Heldrich - Schachtstr. 6 - 92237 Sulzbach-Rosenberg
Zurück zum Seiteninhalt